Parkinson: Wenn Tabletten nicht mehr reichen - Bei fortgeschrittener Erkrankung wird es Zeit für eine nicht-orale Folgetherapie

Sonntag, 31.08.2025 |
Brigitte K. bekam eine Medikamentenpumpe, die sie kontinuierlich mit einem Parkinson-Wirkstoff versorgt. Seitdem sind wieder viele Aktivitäten möglich, die vorher nicht mehr gingen.
Brigitte K. bekam eine Medikamentenpumpe, die sie kontinuierlich mit einem Parkinson-Wirkstoff versorgt. Seitdem sind wieder viele Aktivitäten möglich, die vorher nicht mehr gingen.
© DJD/AbbVie

(DJD). Gehen, Greifen, Kauen, Schlucken: Bei der Parkinson-Krankheit sind alltägliche Bewegungen oft beeinträchtigt. Die Ursache ist ein Mangel am Botenstoff Dopamin im Gehirn, der für die Weiterleitung von Nervenimpulsen wichtig ist. Verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifheit, Zittern und Gleichgewichtsprobleme sind mögliche Symptome. Anfangs lassen sich diese meist mit Tabletten gut unter Kontrolle bringen, doch leider lässt deren Wirkung mit der Zeit nach. Das kann zu Phasen schlechter Beweglichkeit und Überbewegungen führen und die Lebensqualität stark einschränken. Dann wird es Zeit für eine nicht-orale Folgetherapie.

Die 5-2-1-Regel

Wie sich dieser Zeitpunkt erkennen lässt, erklärt der Neurologe PD Dr. Florin Gandor: „Ein internationales Expertengremium hat die `5-2-1`-Kriterien aufgestellt: Wenn Betroffene fünfmal am Tag Parkinson-Medikamente einnehmen, aber trotz Kombinationstherapie täglich insgesamt zwei Stunden schlecht beweglich und eine Stunde überbeweglich sind, ist die Parkinson-Krankheit fortgeschritten und die orale Therapie stößt an ihre Grenzen.“ Bei der Einschätzung kann ein Selbsttest unter www.parkinson-check.de helfen. Für eine nicht-orale Folgetherapie gibt es mehrere Optionen: So werden bei der tiefen Hirnstimulation Elektroden operativ ins Gehirn eingesetzt. „Eine andere Möglichkeit ist, Parkinson-Medikamente mithilfe einer Pumpe in den Körper zu bringen“, so Gandor. „Dabei gibt es den Weg, einen Parkinson-Wirkstoff über eine Sonde als Gel kontinuierlich direkt in den Verdauungstrakt zu bringen. Eine andere Methode ist, ein Parkinson-Medikament kontinuierlich unter die Haut zu verabreichen. Eine Operation ist hierbei nicht nötig.“

„Die Pumpe hat mir Lebensqualität zurückgegeben“

Für eine Medikamentenpumpe hat sich auch Brigitte K. (70) entschieden, bei der 1993 Parkinson diagnostiziert wurde. Die ersten zehn Jahre lebte sie dank der Medikamente praktisch weiter wie zuvor. Doch mit der Zeit benötigte sie immer mehr Tabletten, ihre Gangunsicherheit fiel zunehmend auf: „Die Leute fragten mich, ob sie eine Trinkerin sei“, erzählt Brigittes Mann Thomas. Ende 2023 wurden die Probleme mit Zittern, Einfrieren in der Bewegung (Freezing) und Stürzen immer schlimmer. „Die Pillen wirkten nicht mehr“, erinnert sich Brigitte. Ihre Ärzte erzählten ihr von der Pumpentherapie, und sie beschloss, es zu versuchen. „Das war ein Gamechanger in ihrem Leben“, sagt Thomas. Heute kann Brigitte mit ihrem Mann verreisen, mit dem Enkelkind spielen und sogar ein Tänzchen wagen. Ihr Fazit: „Die Pumpe hat mir Lebensqualität zurückgegeben.“


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