"Geld zum Fenster hinauszuwerfen" hat lange Tradition
Experten der ING-DIBA erklären die Redewendung "Geld zum Fenster hinauszuwerfen".
© Margot Kessler / Pixelio.de
Einmal im Jahr präsentiert der Bund der Steuerzahler sein "Schwarzbuch" mit besonders spektakulären Fällen von öffentlicher Verschwendung. In diesem Jahr wird es die 38. Ausgabe sein. Doch eigentlich müsste diese Dokumentation allzu leichtfertigen Umgangs mit Steuergeldern eine viel längere Tradition haben und bis ins Mittelalter zurückreichen. Denn aus der Zeit des "Immerwährenden Reichstages zu Regensburg" wurde eine besonders bizarre Methode der staatlichen Umverteilung überliefert.
Danach hatte sich der Kaiser vorgenommen, seine unzufriedenen Untertanen zu beglücken. Also zeigte er sich in einem Fenster des Regensburger Rathauses und warf den Menschen mit gönnerhafter Geste Münzen zu. Hoheit wollte den Armen helfen und etwas für seine lädierte Reputation tun. Doch schon damals galt: Gut gemeint ist in der Regel das Gegenteil von wirklich gut. Denn nach der ersten Freude über den spendablen Kaiser meldeten sich erzürnte Bürger lautstark zu Wort: "Was macht er denn da? Er wirft unser Steuergeld aus dem Fenster!"
Dem Herrscher brachte diese Aktion somit keinen Imagegewinn. Aber sein Handeln fand Eingang in eine Redensart, die zeitlos aktuell erscheint: "Geld zum Fenster hinauswerfen" - das steht bis heute für Verschwendung und Vergeudung. Mal sind es öffentliche, mal private Hände, die Geld zum Fenster hinauswerfen. Das mag man mit Recht kritisieren. Aber eines steht auch fest: Es gibt immer welche, die unter dem Fenster stehen und fleißig aufsammeln, was da von oben kommt.
© 6. April 2010 - ING-DiBa AG
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