Osterreiten und Ostersaatreiten in der Oberlausitz
Wir erklären Ihnen die Hintergründe zum Osterreiten und Ostersaatreiten. Außerdem haben wir eine Terminübersicht für den Ostersonntag (24. April 2011) zusammengestellt.
Ostern ist das Fest der Auferstehung Christi von den Toten. Für die Katholiken ist das Osterfest der höchste Feiertag im Jahr, welcher mit dem viele Traditionen verbunden ist. In der sorbischen Oberlausitz wird ein ganz besonderer Brauch zu Ostern gepflegt. Osterreiter tragen seit mehr als 500 Jahren am Ostersonntag (in diesem Jahr am 24. April 2011) Osterreiter in Prozessionen die Botschaft von der Auferstehung Christi in ihre Nachbarpfarrei. Die Reiter singen in Lieder davon, dass Christus am dritten Tage nach seinem Tod auferstanden ist und so den Tod überwunden hat. Tausende Besucher strömen jedes Jahr am Ostersonntag in die Lausitz, um den Osterreitern zuzuschauen.
Aber nicht nur immer mehr Zuschauer sind begeistert von diesem Osterbrauch, auch die Zahl der Osterreiter steigt von Jahr zu Jahr. In der sorbischen Lausitz reicht die Zahl der Pferde schon längst nicht mehr für alle Osterreiter aus. So leihen sich die Osterreiter häufig Pferde aus weit entfernten Orten, was auch zum Wachsen des ökumenischen Miteinander beigetragen hat. Selbst evangelische Christen helfen den katholischen Osterreitern bei der Beschaffung von Pferden für das Osterreiten. Noch vor Jahren war es dabei undenkbar, dass ein evangelischer Christ in einer Osterprozession mitreitet. Heute verkünden evangelische Christen zusammen mit den katholischen Osterreitern die Auferstehung Christi.
Die Reiterprozessionen zwischen Hoyerswerda und Wittichenau finden bereits seit dem Ende des 15. Jahrhunderts statt. Die eigentlichen Wurzeln des Osterbrauches reichen bis in vorchristliche Zeiten zurück. Mit den Feldumritten wollte man damals die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen. Unter dem Einfluss des Christentums entstanden aus den Ritten christliche Prozessionen, welche in der Gegenwar ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben darstellen.
Neun Osterreiterprozessionen gibt es in der katholisch-sorbischen Oberlausitz. Überwiegend reiten hier Sorben mit. Nur in der Wittichenauer Prozession gibt es seit der Jahrhundertwende auch einen deutschsprachigen Teil. Die Osterreiter singen Osterlieder und beten den Rosenkranz. Zum Osterreiten führen sie das Kreuz, Kirchenfahnen und eine Statue des Auferstandenen mit.
Die Osterreiter bestechen durch ihre festliche Kleidung mit schwarzem Zylinder und Gehrock. Zur Prozession gehört auch dazu, die Pferde besonders zu schmücken. Besondere Merkmale sind hier das Ostergeschirr, welches christliche Symbole wie ein Osterlamm oder ein Kreuz ziert, sowie die bunt bestickte Schleife am Schweif. Wenn diese Schleife schwarz ist, deutet dies auf trauer in der Familie hin.
Neben der Kirche umreiten die Osterreiter auch den Friedhof .Den Verstorbenen soll so die Auferstehung verkündet werden. Außerdem wird für die Toten gebetet. Osterreiter, welche erstmalig an der Prozessio teilnehmen, tragen ein Myrtenkränzchen. Osterreiter welche zum 25. oder 50. Male mitreiten, tragen eine silberne "25" oder eine golgene "50" als Schmuck. In den letzten Jahren haben sich mehr als 1.500 Osterreiter an den Prozessionen beteiligt.
Die Osterreiter haben an die Zuschauer zwei Bitten. Zum einen sollte man Abstand zu den Tieren halten, um Unfälle zu vermeiden. Außerdem erbitten sich die Osterreiter Stille und Zurückhaltung während der Gebete und des Gesangs. Hintergrund ist, dass die Osterreiter in ihrer Prozession eine Andacht sehen, die nicht gestört werden soll.
Die Ostersaatreiter aus Ostritz
Das Ostersaatreiten von Ostritz hat einen ähnlichen Hintergrund wie das Osterreiten in der Oberlausitz. Am Ostersonntag starten vor den Türen der Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" in Ostritz ganze Scharen von Reitern mit ihren Pferden, um über Felder und Fluren zum Kloster St. Marienthal an der Neiße zu reiten. Diese Ostersaatreiter verkünden vom Pferderücken aus die christliche Osterbotschaft, dass Jesus von den Toten auferstanden ist.
Das Ostersaatreiten findet im Jahr 2011 bereits zum 383. Male statt. Bis zu 100 Reiter nehmen an dieser Prozession teil. Wie auch die Osterreiter, sind die die Ostersaatreiter ebenfalls festlich gekleidet. Frack, Zylinder und blank polierte Schuhe gehören dazu. Die Pferde werden auch für das Ostersaatreiten herausgeputzt. Den Zug begleiten zwei katholische und zwei evangelische Pfarrer der Region auf ihren Pferden.
Der Ritt in Ostritz unterscheidet sich von den Osterreitern in der sorbischen Lausitz dadruch, dass neben dem Verkünden der Osterbotschaft die Bitte um gutes Wachstum der Saat auf den Feldern und um Gottes Hilfe für Mensch und Natur im Vordergrund steht. Von Ostritz aus reitet der Zug in einer langen Prozession zum Kloster St. Marienthal. Hier wird den den Zisterzienserinnen der Abtei und den zahlreichen Besuchern auf dem Klosterhof der Ostersegen überbracht. Am Hutbergkreuz wird der verstorbenen Reiter gedacht.
Das Ostersaatreiten beginnt um 13 Uhr vor der katholischen Kirche in Ostritz. Die Ankunft der Ostersaatreiter in St. Marienthal wird gegen 13.45 Uhr erwartet. Nach 16 Uhr kehren die Reiter zurück. Der Zug wird mit einer Dankandacht in der Ostritzer Kirche beschlossen. Einige Teilnehmer am Ostersaatritt nehmen eine lange Anreise auf sich, um bei der Prozession mitreiten zu können. Bis heute gilt die eiserne Regel, dass nur Männer in der Prozession mitreiten dürfen. Auch während der 40-jährigen Zeit der DDR konnte die Tradition der Ostersaatreiter ununterbrochen aufrecht gehalten werden. Zahlreiche Gäste kommen Jahr für Jahr in die Lausitz, um das Ostersaatreiten von Ostritz zu verfolgen.
Zeitübersicht der Osterreiterprozessionen am Ostersonntag:
(Die angegebenen Zeiten können sich um bis zu einer halben Stunde verschieben)
Bautzen (ab 10.30 Uhr) -> Radibor (an 12.15 Uhr) und zurück (ab 15.00 Uhr)
Bautzen, Temritz, Kleinseidau, Kleinwelka, Cölln, Radibor - Radibor, Bornitz, Lubachau, Teichnitz, Bautzen
Radibor (ab 11.45 Uhr) -> Storcha (an 13.45 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr)
Radibor, Schwarzadler, Milkwitz, Strohschütz, Dreikretscham, Storcha
Ralbitz (ab 9.15 Uhr) -> Wittichenau (an 12.30 Uhr) und zurück (ab 15.15 Uhr)
Ralbitz, Cunnewitz, Schönau, Sollschwitz, Saalau, Wittichenau
Wittichenau (ab 9.20 Uhr) -> Ralbitz (an 12.00 Uhr) und zurück (ab 15.00 Uhr)
Wittichenau, Hoske, Kotten, Cunnewitz, Ralbitz
Storcha (ab 12.00 Uhr) -> Radibor (an 13.45 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr)
Storcha, Dreikretscham, Milkwitz, Schwarzadler, Radibor
Crostwitz (ab 12.15 Uhr) -> Panschwitz-Kuckau (an 15.00 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr)
Crostwitz, Siebitz, Schweinerden, Panschwitz, Höflein, Räckelwitz, Caseritz, Crostwitz
Panschwitz-Kuckau (ab 12.45 Uhr) -> Crostwitz (an 14.15 Uhr) und zurück (ab 15.00 Uhr)
Panschwitz, Alte Ziegelscheune, Crostwitz, Siebitz, Schweinerden, Panschwitz
Nebelschütz (ab 12.00 Uhr) -> Ostro (an 14.00 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr)
Nebelschütz, Wendischbaselitz, Miltitz, Jauer, Ostro
Ostro (ab 12.00 Uhr) -> Nebelschütz (an 14.00 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr)
Ostro, Jauer (Kamenzer Straße), Miltitz, Nebelschütz
Eine Übersichtskarte über die Wege der Osterreiter finden Sie unter www.tourismus-sorben.com. Viele weitere Osterveranstaltungen finden Sie unter www.ostern-in-deutschland.de.
© 20. April 2011 - D&K-Media nach Material vom Bistum Dresden-Meißen
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