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Rivalen im Kinderzimmer

Die Geburt des zweiten Kindes sorgt oft für Konflikte mit der bisherigen Nummer Eins.

Die Geburt des zweiten Kindes sorgt oft für Konflikte mit der bisherigen Nummer Eins.

© DAK

Viele Kinder wünschen sich ein jüngeres Geschwisterchen. Doch wenn der Nachwuchs auf der Welt ist, reagieren sie häufig mit Wutanfällen und Streitereien. Den Eltern fehlt oft das Verständnis für dieses Verhalten: Aus ihrer Sicht ist das Familienglück erst mit dem zweiten Kind perfekt. Doch ihr Erstgeborenes muss ihre Aufmerksamkeit nun zum ersten Mal mit jemandem teilen - und das fällt oft nicht leicht. DAK-Experten empfehlen, dem Älteren nun besondere Beachtung zu schenken. Gerade in der ersten Phase mit dem Nachkömmling sind speziell die Väter gefordert.

Abenteuer dicker Bauch

Vor allem Kinder ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr begegnen dem neuen Familienmitglied zunächst mit Skepsis. "Das ist ganz normal", erklärt Dr. Gerhard Kroschke, Arzt für Kinder- und Jugendmedizin bei der DAK. "In diesem Alter entwickelt sich das Gefühl der Eifersucht."

Um dem vorzubeugen, ist es sinnvoll, die Erstgeborenen frühzeitig auf die neue Situation vorzubereiten. Dabei gilt: Je jünger das Kind, desto länger kann man damit warten. Denn bis zu einem Alter von vier Jahren können Kinder einen Zeitraum von neun Monaten noch gar nicht überblicken. Sie nehmen hauptsächlich "greifbare" Tatsachen wahr: "Wenn Mamas Bauch immer runder wird und das strampelnde Baby deutlich darin zu spüren ist, erlebt das Kind das Heranwachsen des Geschwisterchens hautnah mit", so Kroschke.

Neue Papis braucht das Land

In den ersten Wochen nach der Geburt ist die Mutter ganz mit der Versorgung des Babys beschäftigt. Damit das ältere Geschwisterkind sich nun nicht überzählig oder gar ungeliebt fühlt, ist vor allem der Vater gefragt: Er sollte jetzt besonders viel Zeit mit dem Großen verbringen und gemeinsame Rituale pflegen. "Bei der allabendlichen Gute-Nacht-Geschichte oder dem Fußballspiel am Sonntagnachmittag lassen sich die Bande zwischen Vater und Kind stärken", erklärt DAK-Diplom-Psychologe Frank Meiners. Auch körperliche Nähe spielt eine große Rolle. "Nehmen Sie Ihr Kind oft in den Arm oder auf den Schoß. So hat es das schöne Gefühl, im Mittelpunkt Ihrer Aufmerksamkeit zu stehen", weiß der Experte.

Kleine Helfer am Wickeltisch

Sobald sich die Eltern an die neue Familiensituation gewöhnt haben, kehrt allmählich wieder der Alltag ein. Neu ist jedoch, dass hierzu von nun an das Baby zählt, das gewickelt und versorgt werden will. Größere Geschwister können oft nicht verstehen, warum der Säugling so viel weint und nicht sofort Bauklötze mit ihnen stapeln kann. "Die Großen sind häufig enttäuscht oder unsicher. Da hilft es, wenn Eltern sie in den Baby-Alltag einbeziehen", rät Diplom-Psychologe Frank Meiners. "Beim Wickeln darf der große Bruder die Creme bereithalten; beim Stillen kann die Schwester sich an die Mama kuscheln und mit einer Puppe schon einmal üben. Das stärkt die Bindung zum Neugeborenen und vermittelt den Großen das Gefühl, ernst genommen zu werden."

Kindgerechte Hilfestellung von Experten

Um junge Familien in dieser Lebensphase zu unterstützen, bieten Hebammen, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen so genannte „Geschwisterkurse“ an. Hier erhalten Kinder altersgerechte Einblicke in die Themen Schwangerschaft, Geburt oder Babypflege und lernen den richtigen Umgang mit dem Neugeborenen. Beim Wickeln, Streicheln und Fläschchen geben erleben sie, welche Bedürfnisse die Kleinen haben und wie sie diese mitteilen. "So lernen die großen Geschwister ihre neue Rolle kennen und spüren, dass sie stolz darauf sein können", berichtet Kinderarzt Kroschke. Um sie in diesem Gefühl zu bestärken, erhalten sie am Ende des Kurses häufig ein "Geschwister-Diplom".

© April 2008 - DAK

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