Schönheits-OPs: Gefährliches Streben nach Perfektion
Schönheitsoperationen – der Begriff verheißt bequeme Abhilfe für alle, die unzufrieden mit ihrem Äußeren sind. Umfragen zeigen, dass sich hierzulande etwa sieben von zehn Frauen für ihr Aussehen unters Messer legen würden. Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) hat bei ihren Mitgliedern im Jahr 2005 insgesamt 175.000 so genannte Schönheitsoperationen gezählt. Laut dieser Statistik rücken die Plastischen Chirurgen am häufigsten den Falten der Deutschen zu Leibe.
"Viele Menschen sehen in Schönheitsoperationen eine Chance, in kurzer Zeit und ohne viel Aufwand ihrem Ideal näherzukommen", so Maria Schwormstedt, Ärztin bei der Techniker Krankenkasse (TK). Manche Frauen gehen mittlerweile sogar so weit, sich Silikon- oder Kollagenpolster in die Fußballen spritzen und sich einzelne Zehen oder -knöchelchen entfernen zu lassen, nur um besser in die angesagten Schuhmodelle zu passen und länger darauf laufen zu können. "Diese Entwicklung ist gefährlich, da sie ästhetische Operationen harmloser erscheinen lässt, als sie tatsächlich sind. Denn jeder chirurgische Eingriff birgt das Risiko von Komplikationen", warnt Schwormstedt.
Im Unterschied zu anderen chirurgischen Eingriffen begeben sich bei Schönheits-OPs gesunde Menschen unters Messer und riskieren dabei gesundheitliche Schäden: etwa Infektionen, unschöne Narben oder Nervenschäden. Gerade beim Fettabsaugen und bei Brustvergrößerungen treten laut einer Studie der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft häufig Komplikationen auf.
Zudem blenden viele im Streben nach Perfektion zwei Dinge aus: Einerseits packt eine Schönheitsoperation die eigentlichen Probleme, etwa Übergewicht, nicht an der Wurzel. Denn wer nach einer Fettabsaugung seine Ernährung nicht umstellt und sich nicht mehr bewegt als zuvor, der wird zwangsläufig wieder an Gewicht zulegen. Andererseits sind die meisten ästhetischen Eingriffe nicht rückgängig zu machen. Ist ein Gelenk erst einmal entfernt, muss man zeitlebens darauf verzichten.
Denjenigen, die dennoch fest entschlossen sind, der Natur chirurgisch nachzuhelfen, rät die TK-Ärztin, darauf zu achten, dass der Operateur die nötige Qualifikation und Erfahrung besitzt. Denn, was viele nicht wissen: Jeder Arzt darf sich ohne weiteres etwa Schönheitschirurg oder Ästhetischer Chirurg nennen. Geschützt sind nur die Titel "Facharzt für Plastische Chirurgie" sowie "Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie". Als anerkannter Facharzt hat sich der Plastische Chirurg mindestens sechs Jahre weitergebildet und entsprechende Prüfungen abgelegt. "Patienten sollten sich im Vorfeld gründlich nach fachlich qualifizierten Medizinern umsehen. Bereits im Vorgespräch sollten unter anderem der Verlauf der Operation und mögliche Risiken zur Sprache kommen", so Schwormstedt.
Doch nicht nur die gesundheitlichen Gefahren sollten jene, die sich für ihr Aussehen auf den OP-Tisch legen wollen, im Vorfeld gründlich abwägen, sondern auch mögliche finanzielle Risiken. Die jüngste Gesundheitsreform hat eine Neuerung gebracht, die im Falle des Falles den Geldbeutel der Patienten zusätzlich zur eigentlichen Operation belastet: Seit April dieses Jahres müssen sich gesetzlich Versicherte an möglichen Folgekosten beteiligen, die bei Komplikationen nach medizinisch nicht notwendigen kosmetischen Eingriffen entstehen können. "Vielleicht ein Grund mehr für manche, ihre Gesundheit nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen", hofft die TK-Ärztin.
Mehr zu den Risiken von Schönheitsoperationen und Ernährungs- sowie Bewegungstipps, um seinen Körper auf sanfte Art in Form zu bringen, gibt es im Internet unter www.tk-online.de unter dem Suchwort "Schönheitsoperation" sowie in der Rubrik "Fit & Well".
© August 2007 - Techniker Krankenkasse
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