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Wer, wie, was – wieso, weshalb, warum? Was Kinder auf dem Friedhof erfahren

Schau mal, was da wächst: Während spezieller Friedhofsführungen für Kinder lernen die Kinder die heimische Flora und Fauna, Facetten der Stadtgeschichte und auch verschiedene Begräbnis- und Trauerrituale kennen.

Schau mal, was da wächst: Während spezieller Friedhofsführungen für Kinder, hier auf dem Hauptfriedhof in Gelsenkirchen, lernen die Kinder die heimische Flora und Fauna, Facetten der Stadtgeschichte und auch verschiedene Begräbnis- und Trauerrituale kennen.

© CMA

Viele Friedhöfe gewinnen mittlerweile nicht nur wegen ihrer kulturellen Besonderheiten, sondern auch wegen ihrer Natürlichkeit eine immer größeren Bekanntheit und Bedeutung. Vor allem in städtischen Gebieten sind sie beliebte, grüne Oasen der Ruhe im Großstadtlärm. Mit ihren vielen Grabdenkmälern sind Friedhöfe wahre "Freiluftmuseen" mit künstlerischen, religiös-philosophischen und naturnahen Aspekten, deren Besichtigung lohnt. Viele Tiere wie Vögel, Igel, Mäuse und Insekten sowie eine artenreiche Pflanzenwelt sorgen dafür, dass Leben herrscht: Vor allem Kinder und Jugendliche sind erstaunt und begeistert, wenn sie sozusagen live am Anschauungsobjekt etwas über die heimische Fauna und Flora oder die Stadtgeschichte erfahren.

Was kreucht und fleucht denn da?

Manche Friedhöfe laden explizit zu naturkundlichen Exkursionen ein, wie zum Beispiel der bekannte Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg mit seinem Naturlehrpfad. Weniger touristisch erschlossen ist zum Beispiel der Friedhof Havixbeck, ein kleiner "Dorf-Friedhof" in der Nähe von Münster. In jahrzehntelanger Arbeit ist ein regelrechtes Biotop entstanden, das weit über die Grenzen von Münster als botanisches Kleinod bekannt ist. Doch in jeder Stadt, in jedem Dorf, gibt es solch einen Friedhof, der einen Besuch wert ist. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, welche Schätze sie auf "ihrem Friedhof" entdecken können.

Anreize an der Basis

Viele Friedhofsträger, Friedhofsgärtner, Steinmetze, Naturschützer und Vereine bieten mittlerweile gezielt gemeinsam getragene Veranstaltungen auf Friedhöfen an, wie zum Beispiel jährlich den Tag des Friedhofs am dritten Wochenende im September. Ein Beispiel aus dem Ruhrgebiet: Andreas Mäsing, Geschäftsführer der Friedhofsgärtner Gelsenkirchen e.G., engagiert sich seit Jahren für die Information der Öffentlichkeit über die Friedhofskultur. Auf dem Hauptfriedhof in Gelsenkirchen-Buir bietet er Führungen, u. a. speziell für Kinder und Jugendliche, an. Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich Berührungsängste mit dem Friedhof zu nehmen. Denn die Kenntnis der Begräbnis- und Trauerrituale sowie der Symbolik von Pflanzen und Grabsteinen ist ein wichtiger kultureller Bestandteil der Gesellschaft, in der sie aufwachsen.

Biologie zum Anfassen

Bei seinen Führungen hat Andreas Mäsing kein festes Konzept, sondern er geht flexibel auf die jeweilige Gruppe ein. Natürlich spielt das Alter der Teilnehmer eine große Rolle: Ältere Kinder und Jugendliche, zum Beispiel aus einer Konfirmandengruppe, interessieren sich mehr als die Kleinen für Symbolik und geschichtliche Zusammenhänge. Mit solch einer Gruppe beginnt Andreas Mäsing die Führung häufig in der Trauerhalle und geleitet sie von dort aus auf einen Rundgang durch die Grabstätten.

Kindergartenkinder im Alter von Vier bis Sechs sind eher für die sichtbaren, zu greifenden Dinge zu begeistern: Insekten auf den Blumen oder Trauerkränze. Vor allem die Stadtkinder unter ihnen stellen viele Fragen zur Natur: "Was ist das für eine Blume?" "Was ist denn das für ein Tier?" "Woher kommt diese Spur?" "Wer hat hier von den Blumen gefressen?" "Was wird später aus dieser Raupe?"

Was jedoch einen Friedhof von einem "normalen" Park unterscheidet, ist auch den Kindergartenkindern schon bekannt. Oft wissen schon die Vier- bis Fünfjährigen mehr über Tod und Trauer als vielen Erwachsenen bewusst ist. Einige von ihnen haben schon Angehörige auf einem Friedhof beerdigt. Instinktiv verhalten sich selbst die quirligsten und lebhaftesten Kinder in der Gruppe ruhig und zurückhaltend, wenn eine Führung rund um die Gräber beginnt. Nach einer Viertelstunde allerdings verlieren sie zunehmend ihre Scheu und beginnen mit kindlicher Neugier alles zu untersuchen – die Kindergärtnerinnen haben alle Hände voll zu tun, um ihre Gruppe zusammenzuhalten und zu bändigen.

In die Zukunft investieren

Andreas Mäsing zieht eine positive Bilanz aus seinen Erfahrungen: "Durch unsere Führungen können wir die kommende Generation für Themen rund um die Trauer und den Friedhof als tröstenden Ort sensibilisieren. Die Beschäftigung der Kinder und Jugendlichen mit dem Friedhof kann für uns auch ein Schlüssel zu den Eltern sein. Und es ist keine Einbahnstraße: Wir Erwachsenen können selbst viel von den Kindern lernen – sie reagieren spontan, unbefangen und mit kindlich-unschuldiger Neugier. Wir wollen nicht belehren, sondern unser Ziel ist es, den Kindern den Friedhof erfahrbar zu machen, ihn als einen interessanten Ort zu präsentieren, mit Blumen, Tieren und Geschichten über die Menschen, die dort begraben liegen. Wenn die Kinder Friedhofsbesuche als positive Erlebnisse in Erinnerung behalten, wird für sie der Friedhof auch in der Zukunft ein interessanter und tröstend-hoffnungsvoller Platz der Ruhe und der Harmonie sein."

© Juni 2007 - Grünes Presseportal / CMA

Informationen:
CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH
Koblenzer Str. 148
53177 Bonn
www.cma.de
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