Fahrspaß ohne Knochenbrüche
Hartschalenboots eignen sich für Anfänger / Bei den Bremsen auf weiches Material achten / Nie ohne Schutzkleidung / Skaten bald auch auf gekennzeichneten Radwegen erlaubt
Die Frühlingssonne lockt sie wieder ins Freie: Zwölf bis 14 Millionen Freizeitsportler haben nach Schätzungen des Deutschen Rollsport und Inline-Verbands die Flitzer für sich entdeckt. Dabei birgt das elegante Dahingleiten ein hohes Verletzungsrisiko. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft haben sich rund 60 Prozent der Skater schon einmal verletzt, mehr als ein Drittel von ihnen musste sogar in ärztliche Behandlung. Bei schönem Wetter stehen die Blessuren durch Inline-Skating in der Rangordnung der behandelten Sportverletzungen auf dem zweiten Platz – gleich hinter Fußball.
Wie Freizeitsportler die Risiken der flinken kleinen Rollen minimieren, erklärt Wilhelm Sonntag, Experte für Sport- und Freizeitprodukte bei der TÜV Rheinland Group. "Bei Inlinern gibt es für jeden Fahrtyp den richtigen Schuh", erklärt der Fachmann. "Wer sich eine Ausrüstung kauft, sollte also wissen, was er damit machen will."
Freizeit-Skates bestechen durch hohe Alltagstauglichkeit und gute Allround-Eigenschaften. Für den Marathon greifen ehrgeizige Läufer gerne zu schnellen Speed-Skates, die allerdings schwerfälliger in die Kurven gehen. Hockey-Skates geben sich zwar wendig und robust, taugen außerhalb des Spielfelds aber wenig. Für die stabilen und relativ langsamen Stunt-Skates entscheiden sich am besten nur Kenner.
Wilhelm Sonntag empfiehlt, Inliner nur nachmittags zu kaufen, "dann haben sich die Füße etwas ausgedehnt – ähnlich wie beim Skaten." Ein Fußbett gehört in jeden Schuh. Die Ferse muss fest im Sportgerät sitzen und darf kein Spiel haben. Die Stopper sollten aus möglichst weichem Material sein. Das lässt sich durch die Fingernagelprobe leicht checken. Um die optimale Passform herauszufinden, möglichst mehrere Modelle verschiedener Hersteller anprobieren – ähnlich wie beim Skischuh-Kauf. Unbedingt im Gang oder auf dem Hof des Geschäfts erste Fahrversuche absolvieren, um den richtigen Sitz des Schuhs auch unter Belastung zu testen. Eine umfassende, verständlich formulierte Gebrauchsanweisung spricht für die Qualität des ausgewählten Sportgeräts.
Bei Inline-Skates gibt es grundsätzlich drei verschiedenen Bauarten: Hartschalenboots eigen sich besonders für Anfänger und Kinder. Sie bieten einen guten Seitenhalt, sind aber relativ unbequem. Softboots dagegen fühlen sich bequem an, geben aber einen geringen Seitenhalt. "Als Kompromiss bieten sich Semisoftboots an", sagt TÜV-Experte Sonntag.
Zahlreiche Hersteller rüsten ihre Skates mit Schellverschlussschnallen, so genannten Buckles, aus. Klettverschlüsse (Powerstraps) fixieren zusätzlich Schaftrand oder Spann. Vorteil: einfaches Öffnen und Schließen, für Kinder gut geeignet. Modelle mit Schnürung lassen sich allerdings individueller anpassen. Schienen (Frames) aus Aluminium oder Carbon sind leichter als Kunststoff-"Fahrwerke" und ermöglichen zudem bessere Fahreigenschaften. Lange Frames sorgen für einen guten Geradeauslauf, büßen aber an Wendigkeit ein. Große Rollen – ab etwa 80 Millimeter Durchmesser – erlauben höhere Geschwindigkeiten als kleinere, sind aber ebenfalls nicht mehr so wendig, also nur für Fortgeschrittene empfehlenswert. Wer auf Tempo setzt, rüstet seine Skates mit harten Rollen aus. Weichere, langsamere Rollen bieten jedoch eine bessere Haftung.
Für durchschnittlich ambitionierte Freizeitsportler empfiehlt TÜV-Experte Sonntag grundsätzlich: Semisoftboots mit Schnürung, Aluschienen mit vier weichen Rollen (Durchmesser 78 Millimeter) und mindestens ABEC-3-Lager. Beim Kauf auf das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit und die neue EU-Norm DIN EN 13843 achten.
Zum Skaten gehört selbstredend die komplette Schutzbekleidung: Helm, Knie-, Ellenbogen- und Handgelenkschützern. Skater, die sich vor dem Start mit leichten Dehnungsübungen aufwärmen, reduzieren ihr Verletzungsrisiko.
© April 2005 - TÜV Rheinland Group
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Informationen:
TÜV Rheinland Group Am Grauen Stein 51105 Köln www.tuv.com |
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